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Analysen

Sozialismusbewältigung Teil 5

Josef Schüßlburner

Sozialismusbewältigung

5. Teil: SPD-Sympathisant Adolf Hitler. Die sozialdemokratischen Wurzeln der nationalsozialistischen Ideologie

In seinem 2009 veröffentlichten Buch „Hitlers Judenhass. Klischee und Wirklichkeit“ hat der Historiker Ralf Georg Reuth die Nachweise zusammengetragen, die belegen, daß Hitler mit der (Mehrheits-)Sozialdemokratie sympathisiert hatte, auch wenn er insofern nicht dem Faschisten Mussolini gleichgesetzt werden kann, der prominent den linken Flügel des italienischen Sozialismus in der Zeit vor dem 1. Weltkrieg repräsentiert hatte. Hitler hat nach dem Bruch mit der Sozialdemokratie, was auf die Unterzeichnung des Versailler Friedensdiktats zurückzuführen ist, welcher den sozialistischen Internationalismus endgültig als Illusion erwiesen hat, diese nach außen entschieden bekämpft, jedoch sich intern weiterhin ziemlich positiv über diese sozialistische Partei geäußert. Nach außen wirkte sich diese positive Einschätzung gegenüber der Sozialdemokratie dahingehend aus, daß es Hitler nach der Machtergreifung nachdrücklich um die Integration des sozialdemokratischen Arbeiters als Machtbasis ging, was ihm so weitgehend gelang, daß es schließlich sogar „so etwas wie eine Affinität sozialdemokratischer Arbeiter zu Hitler“ gab, „die auch umgekehrt zutraf“ (so der Spiegel-Redakteur Höhne).

Ideologisch fühlte sich Hitler erkennbar dieser klassischen Partei des Sozialismus verbunden, auch wenn die NS-Propagandisten so taten als sei der Nationalsozialismus voraussetzungslos dem Genie des „Führers“ entsprungen und es wurden deshalb entschieden die Versuche von Sozialdemokraten wie des Doktorvaters des späteren SPD-Vorsitzenden Kurt Schumacher, Professor Johann Plenge, zurückgewiesen, sich als Vorläufer des Nationalsozialismus einzustufen. Auch wurde etwa das harmlos erscheinende Buch des späteres Bundespräsidenten Theodor Heuss verboten, welches Hitler in eine Kontinuität mit dem SPD-Gründer Lassalle einordnete. Dabei geht das Staatsverständnis Hitlers, nämlich die vom Volk (demokratisch) legitimierte sozialistische Führerdiktatur, auf die Ideenwelt von Lassalle zurück. Dies gilt auch für die Berechtigung sozialismusfähiger Völker, wie der Deutschen, zum fortschrittsfördernden Eroberungskrieg mit Zwangsassimilation oder „mehr das Aussterben“ (Lassalle) bei eroberten andersrassigen Völkern.

Der Ideenwelt der klassischen Sozialdemokratie des 19. Jahrhunderts entstammt auch der sozialistische Sozialdarwinismus, welcher allerdings den Marxismus erheblich modifizieren sollte, wie dies im Buch des Wiener Schriftstellers Josef Ludwig Reimer, eines Schülers des bekannteren aktiven SPDlers Ludwig Woltmann, mit seiner Schrift „Ein pangermanisches Deutschland“ von 1904 zum Ausdruck kam, in dem vorgeschlagen wurde, den Satz „Proletarier aller Länder vereinigt euch“ auf Proletarier germanischer Abstammung zu beschränken. Josef Ludwig Reimer, der demnach für eine auf Völker germanischer Abstammung beschränkten Sozialdemokratie plädierte, die ein sozialistisches pan-germanisches Großreich bis nach Sibirien - unter Anwendung von Rassenveredlungs-maßnahmen zur Förderung des Fortschritts - anstreben sollte, muß in der Tat als der Mann angesehen werden, der Hitler die Ideen gab.  

Zum Ideengut des klassischen Sozialismus gehört auch ein spezifischer Antisemitismus, der in der radikalsten Weise mit Genozid-Befürwortung von Eugen Dühring vertreten worden war, welcher sich schon als der künftige Chefideologe der SPD gesehen haben schien, weshalb ihm Friedrich Engels zur Wahrung der marxistischen Orthodoxie der SPD mit seinem „Anti-Dühring“ in die Parade fahren mußte (und damit so nebenbei den Leninismus zu begründen half).

Es waren erkennbar realpolitische Gründe der Zeit nach dem 1. Weltkrieg, die dazu geführt haben, daß sich Hitler von der Sozialdemokratie abwandte, um im Sinne von Josef Ludwig Reimer seine pangermanische Sozialdemokratie zu gründen, der dann unter den Bedingungen des Versailler Friedensdiktats aus ähnlichen Gründen Erfolg beschieden war, wie dies auf die zeitgenössischen Strömungen der später sogenannten Dritten Welt zutraf, welche Nationalismus und Sozialismus verbanden. Die Kriegspropaganda sozialdemokratischer Kreise, die dazu führte, daß an die Stelle des Proletariats als Fortschrittsagens die proletarische Nation trat und damit der Weltkrieg zur Weltrevolution wurde, hatte den Schritt vom klassischen Sozialismus zum Nationalsozialismus / Faschismus aufgetan (bei den Unabhängigkeitsbewegungen der Dritten Welt oder dem späteren Maoismus blieb dieser Ideenkomplex Teil des gewissermaßen klassischen Sozialismus).

Für das Anliegen der Sozialismusbewältigung sind derartige Erkenntnisse von Bedeutung, weil sich im bundesdeutschen „Kampf gegen rechts“ letztlich ein Vermächtnis des NS-Führers erfüllt, den „Schlag gegen rechts“ zu führen; dieser Ansatz ist geeignet, den sozialistischen Antisemitismus wiederzubeleben. Die sozialistischen Vorwürfe gegen rechts ließen sich nämlich ohne weiteres gegen das Judentum richten.

Hinweis:

Der vorliegende Beitrag greift mehrere Themenkomplexe auf, denen sich der Verfasser in Veröffentlichungen im libertären Magazin „eigentümlich frei“ (ef) gewidmet hat. Dazu gehören:

Sozialdemokrat Adolf Hitler: Ralf Georg Reuth belegt linke Herkunft und Motivation des Diktators

http://ef-magazin.de/2009/05/01/1164-vergangenheitsbewaeltigung-sozialdemokrat-adolf-hitler


Josef Reimer: Der SPD-Sympathisant, der Hitler die Ideen gab. Nationalsozialismus als pangermanische Sozialdemokratie

http://ef-magazin.de/2009/06/26/1305-josef-ludwig-reimer-der-spd-sympathisant-der-hitler-die-ideen-gab


Bewältigung: Der Sozialismus des Nationalsozialismus

http://ef-magazin.de/2008/05/04/bewaltigung-der-sozialismus-des-nationalsozialismus


sowie:

Hitlers Volksstaat: Was man bewältigen könnte, in: ef Heft 52, S. 38 ff.

Sozialismus als deutsche Weltherrschaft. Wiederkehr der verdrängten Lehren Lassalles, in: ef Heft 79, S. 48 ff.

Germanische Rasse und Sozialismus: Darwino-Marxismus und NS-Ideologie, in: ef Heft 80, S. 36 ff.

Eugen Dühring: Vorläufer Hitlers und Wegbereiter von Godesberg. Ein Marx-Konkurrent mit Tiefenwirkung, ef Heft 81, S. 47 ff.

Der vorliegende Beitragsowie die vorgenannten Beiträge stellen eine Ergänzung zum Werk des Verfassers dar:

Josef Schüßlburner, Roter, Brauner und Grüner Sozialismus. Bewältigung ideologischer Übergänge von SPD bis NSDAP und darüber hinaus, 2008 Lichtschlag Medien und Werbung KG

ISBN-10: 3939562254

ISBN-13: 978-3939562252

Dieses Buch ist im März 2015 in unveränderter 3. Auflage wieder erschienen und nunmehr auch in einer Kindle-Edition für 6,99 € erhältlich.

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