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Analysen

Sozialismus als Faschismus und Nationalsozialismus: Betrachtungen zu Nord-Korea

Josef Schüßlburner


Mit der „Demokratischen Volksrepublik Korea“, also mit Nord-Korea, findet sich als vielleicht bizarrste Diktatur der heutigen Welt eines der skurrilsten Regime der politischen Linken. Diese Regime hat bemerkenswerter Weise den Untergang der marxistischen Sowjetregime überlebt, sich dabei aber auf keine der letztlich rechtsgerichteten Reformmaßnahmen eingelassen, welche das Überleben anderer totalitärer Linksregime bislang ermöglichten, wofür insbesondere die Volksrepublik China angeführt werden kann. Das Wesen des nordkoreanischen Regimes kann vielleicht mit sultanistischer Totalitarismus umschrieben werden, eine Kennzeichnung, die sich angesichts des verrückten Persönlichkeitskults anbietet. Das nordkoreanische Regime versteht sich als Verwirklichung der kommunistischen Utopie, was in den künstlerischen Inszenierungen von Massenaufmärschen mit Führerhuldigung zelebriert und in Propagandapostern festgehalten wird, die im wesentlichen folgende Themen aufweisen: Errichtung des Paradies des Volkes, unerschrockener Trotz, Loyalität und Hingabe (zum Führer), Verteidigung der (sozialistischen) Revolution mit dem Prinzip des Vorrangs der Armee und rassistischem Volksgemeinschaftskult. Wie bei allen Verwirklichungsformen der sozialistischen Utopie, die vor allem im 20. Jahrhundert versucht wurden, läuft die Paradiesverkündigung auf eine sehr reale KZ-Hölle hinaus: „Diese Hölle existiert“ (so die Aussage eines Betroffenen, dem die Flucht gelungen ist).


Nun wird insbesondere ein Anhänger der politischen Linken versucht sein, dem nordkoreanischen Regimes und seiner tragenden Staatsideologie Chuch’e und Son’gun (Militär zuerst) den sozialistischen Charakter abzusprechen, was bereits zu Formulierungen geführt hat wie „Socialism without Socialism“, d.h. nur dem Namen nach sozialistisch vom Inhalt her aber nationalistisch oder faschistisch, sofern man nicht offen den Begriff „nationalsozialistisch“ verwenden will. Der vorliegende Beitrag zeigt am Beispiel der Entwicklung in Nordkorea auf, daß der Faschismus eine sich aufdrängende Möglichkeit der klassischen sozialistischen Doktrin darstellt. Letztlich geschieht der Übergang vom Sozialismus zum Faschismus schon dadurch, daß man anstelle des Proletariats die (proletarische) Nation zum Agens des Fortschritts macht und dabei schließlich auch den biologischen Aspekt zur Erklärung der Menschheitsentwicklung berücksichtigt. Im Falle des ostasiatischen Sozialismus ist dabei zu berücksichtigen, daß er von vornherein „faschistischer“ angelegt war, weil er die Elemente, die sich im Zuge des Ersten Weltkriegs in Europa über den Linksrevisionismus vom klassischen Sozialismus als Faschismus / Nationalsozialismus abspalten sollten, etwa als Maoismus integriert hat. Ungeachtet dieser Besonderheit darf nicht verkannt werden, daß sich zentrale Elemente, die üblicherweise als „faschistisch“ ausgemacht werden, schon in der klassischen marxistischen Strömung und deren parteipolitischen Organisationen direkt finden: Nord-Korea belegt, daß der „Faschismus“ (Nationalsozialismus) Teil der sozialistischen Entwicklung darstellt. Behandelt werden zum Nachweis dieser Behauptung die Elemente sozialistische Führerkult (der sich aus dem Avantgardeprinzip nach der Konzeption der „Diktatur des Proletariats“ ergibt), sozialistischer Nationalismus (Konzept der proletarischen Nation als Fortschrittsagens) und Rassismus (der sich aus dem Anliegen der Rassenabschaffung zur Verwirklichung der Großen Gleichheit ergibt), sozialistischer Militarismus (der sich auf den Revolutionskult zurückführen läßt) und generell sozialistischer Irrationalismus (gnostisch-religiöser Charakter der sozialistischen Ideenströmung).


Das nordkoreanische Herrschaftssystem wird dabei auch in den Kontext der ostasiatischen Entwicklung eingeordnet.


Hinweis:


Die nachfolgend online gestellte Abhandlung, die Teil von weiteren Darstellungen zum politisch linken Element in der asiatischen Tradition auf dieser Website ist und damit die Analyse zum weltweiten leftism vertiefen soll, stellt eine Ergänzung zu den zwei derzeit erhältlichen Veröffentlichungen des Verfassers dar:


 


Buch


 


Das Buch von Josef Schüßlburner, Konsensdemokratie: Die Kosten der politischen Mitte, betont die Notwendigkeit der Anerkennung des friedlich ausgetragenen Rechts-Links-Antagonismus für das Funktionieren einer als frei anzusehende Demokratie, welche ansonsten in das immer höhere Kosten verursachende Regime einer Mitte als Obrigkeit überführt wird.

Das Buch von Josef Schüßlburner, Roter, brauner und grüner Sozialismus. Bewältigung ideologischer Übergänge von SPD bis NSDAP und darüber hinaus. 2013, 350 S. gr. ISBN 3-944064-09-7. Arnshaugk. Kt., dasin einer unveränderten Neuauflage für 19.90 € wieder erhältlich ist, befaßt sich mit den Erscheinungsformen linker politischer Ideologie.



pdf Sozialismus als Faschismus und Nationalsozialismus: Betrachtungen zu Nord-Korea